Von Indianern und Rentieren

Am Sonntagabend hatte die Harmoniemusik Concordia zu ihrem diesjährigen Kirchenkonzert eingeladen. Auf dem Programm standen Kompositionen verschiedenster Stilrichtungen, auch Weihnachtliches kam nicht zu kurz.
carola nadler
NIEDERUZWIL. Am Konzert, welches in der evangelischen Kirche Niederuzwil stattfand, war das rotnäsige Rentier mit Namen Rudolph der diesjährige Weihnachtsehrengast: Das überaus witzige Arrangement dieses Liedes bereitete grosses Vergnügen beim Zuhören. Gemütlich schnarrende Baritonsaxophone und Tubas, eingängiger Swingrhythmus, dazwischen eingeworfene Weihnachtslieder wie Händels «Joy To The World» – die Adventszeit kann beginnen.

Die Harmoniemusik Concordia gab am Sonntag in Niederuzwil ihr traditionelles Kirchenkonzert. Bild: can.
Massaker zum ersten Advent
Des Weiteren wurde das Konzert mit so grossartigen Kompositionen wie «Dakota» und Concerto d'Amore» sowie aus dem leichteren Popsektor mit einem Elton-John-Medley gestaltet. Und mit der Arie «Nessun Dorma», welche durch die Interpretation zahlreicher Star- und anderer Tenöre berühmt wurde, war sogar die Opernwelt zugegen. «Dakota» – dies bezeichnet heute einen US-Bundesstaat, ist aber auch der Name eines Indianerstammes, der in dieser Region lebte. Der Komponist Jacob de Haan schildert in seinem Werk die Kultur dieser Ureinwohner, welche der spirituellen Welt sehr verbunden waren. In grossartig angelegten musikalischen Szenen wurde der «Grosse Geist» beschrieben; ihm folgten eine rasante Büffeljagd und die Ruhe ausstrahlende Szene des Friedenspfeife-Rauchens. Der dramatische letzte Teil beschrieb die grosse Schlacht am Wounded Knee, wo es zu einem Massaker an den Dakotas gekommen war – vielleicht mochte dieses Stück nicht so recht in die Vorweihnachtszeit passen, gar erschlagen war man von der Tragik, die die letzten Klänge und Paukenschläge ausstrahlten. Letztere wurden von Werner Baumgartner mit grossem Einsatz gegeben, der auch die weiteren Stücke mit dem Klangfundament seiner drei Pauken bereicherte.
Antikriegslied
Quasi als Versöhnung spielte die Harmoniemusik anschliessend «Crimond», eine bekannte Melodie aus dem Hymnen- und Choralbüchlein, welches Kirchgängern mit dem Text «Der Herr, mein Hirte, weidet mich» bekannt ist: In diesem ruhigen Stück zeigten die Musikantinnen und Musikanten wie positiv sie bereits von ihrem Dirigenten Patrick Arnold geprägt sind, und wie sich seine gewissenhafte, nun bald zweijährige Probenarbeit auswirkt: Die Register und Stimmführungen sind schön voneinander abgesetzt, was einen transparenten Klang ergibt. Auch in sehr langsamen Stücken wie Elton Johns «Blue Eyes» gelang es Patrick Arnold, die Spannung hoch zu halten, so dass die Harmoniemusik den Solisten Rolf Isenring am Flügelhorn wunderbar stützen konnte.
John Lennons «Happy X-Mas» gelang mit seiner Doppelmelodie ebenfalls hervorragend: Differenziert war die Parallel-Melodie von «War Is Over», welches im Original von einem Kinderchor gesungen wird, abgesetzt. Mag es Ironie gewesen sein, dass der Arrangeur das Stück mit den ersten vier Tönen von «Stille Nacht» beendete?
Mit «Concerto d'Amore» schliesslich stand grossartiger sinfonischer Rock auf dem Programm, der von barocken Sequenzen und leichtem Popsound ergänzt wurde – so vielfältig, wie die Liebe und die Objekte ihres Interesses auch sind.
Aktualisiert (Mittwoch, 09. Dezember 2009 um 21:13 Uhr)

